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Das Stemmeisen


Der Beitel

 

Englische Bezeichnung chisel
Charakteristik

Stemmeisen haben grundsätzlich einen Griff aus Holz oder Kunststoff mit einem Schlagring am oberen Griffende, einer Zwinge am unteren Griffende und eine Klinge aus gehärtetem Stahl mit Schneide, Krone und Angel. Mit der Angel ist die Klinge im Griff befestigt.

Der Schlagring soll bei Schlägen mit dem Klüpfel das Aufreißen des Griffs von oben, die Zwinge das Aufreißen des Griffs von unten und die Krone der Klinge soll verhindern, dass diese tiefer in den Griff eindringt.

Keine Charakteristik, aber ein gut zu merkendes vergleichendes Merkmal: die Klingen von Stemmeisen europäischer Bauform sind meist dünner und länger als die Klingen von Stemmeisen japanischer Bauform.

Verwendung spanabtragende Bearbeitung von Holz

Auf den Fotos unten sind meine MHG-Stemmeisen zu sehen. Der Preis pro Eisen liegt zwischen 9 € und 14 €.

MHG

MHG

MHG

Allgemeines zum Stahl:

Unterschiedliche Qualitäten von Beiteln resultieren hauptsächlich aus dem verwendeten Klingenstahl und dessen Verarbeitungsverfahren.

Grundsätzlich müssen Beitel härtbar und schärfbar sein, was die Verwendung von Stählen mit einem Kohlenstoffanteil zwischen 0,2% und 2,06% notwendig macht. Aus dieser notwendigen Beigabe von Kohlenstoff resultiert der Nachteil, dass der Klingenstahl rostet.

Das gilt im übrigen auch für Klingen aus Schnellarbeitsstahl (HSS, high speed steel), der ebenfalls Kohlenstoff und Zusätze wie Kobalt, Molybdän, Vanadium, Wolfram, usw. enthält. HSS-Stahl besitzt eine vergleichsweise hohe Härte und Verschleißfestigkeit und ist daher aufwendiger zu schärfen als weicherer Kohlenstoffstahl. Andererseits sind Beitel aus HSS-Stahl fast "unkaputtbar".

Klingen aus härterem Stahl bleiben lange scharf und verbiegen sich nicht, brechen aber leichter als Klingen aus weicherem Stahl. Klingen aus weicherem Stahl verlieren schneller ihre Schärfe und verbiegen sich leichter, brechen aber nicht so schnell wie Klingen aus härterem Stahl.

Mittlerweile werden auch Beitel aus "Damaszenerstahl" angeboten. Damaszenerstahl ist ein Schweißverbundstahl. Ein solcher Stahl wird meist aus einem härteren und einem weicheren Stahl durch mehrfaches "Ineinanderfalten" verschweißt, wodurch er sowohl "duktil" (d.h. zäh) als auch hart und damit schärfbar werden soll. Das Schmiedeverfahren führt aber letztlich auch dazu, dass die Schneide der Klinge nicht vollständig aus der härteren Stahlsorte besteht.

Die Vorteile des Einsatzes von Damaszenerstählen liegen eher in Anwendungen für sehr lange Klingen (wie Schwertern), die bei einer gewissen Schärfe besonders zäh sein müssen. Bei Beiteln ist Damaszenerstahl nicht nur, aber eher "schön".

Da man bei Beiteln ohnehin nicht um das Nachschärfen herumkommt und es am meisten auf Schärfe ankommt, verwende ich am liebsten Klingen aus Weißpapierstahl, einem unlegierten Kohlenstoffstahl, der sich - wenn auch oft - schärfer schleifen lässt als jede andere Stahlsorte.

Auf den Fotos unten sind meine "Koshimitsu Oire Nomi"-Stemmeisen aus Weißpapierstahl zu sehen. Der Preis pro Eisen liegt zwischen 33 € und 62 €.

Japanische

Japanische

f

Japanische Beitel werden aus zwei verschiedenen Stahlsorten (die härtere für die Schneide, die weichere als Schneidenträger) schmiedeverschweißt.

Der Spiegel (die flache Seite der Klinge) ist hohl geschliffen. Das erleichert zum einen das Abziehen, zum anderen verringert es die Reibung zwischen Holz und Klinge, so dass diese leichter in das Material eindringt.

Die Dicke der Eisen ist manchmal störend, weil man nicht so gut am Material vorbeikommt und auch das Nachschärfen mit meiner Tormek-Nassschleifmaschine ist etwas "fummeliger" als bei Eisen europäischer Bauform, aber nicht dramatisch.

Foto: Ein kleiner Schubladenschrank entsteht

Ich wusste, dass es irgendwann passieren wird. Aus Geschmacksgründen zeige ich kein Foto meiner Verletzung.

Ich habe mir beim Hinterstemmen der Schwalbenflanken ein 8er Eisen unterhalb von Zeige- und Mittelfinger etwa 1 cm tief in die Innenfläche meiner linken Hand gerammt.

Ich hatte unverschämtes Glück, denn obwohl ich Nerven durchtrennt habe und der Mittelfinger auf der Innenseite taub bleiben wird, hätte das noch deutlich schlimmer ausgehen können!

Solange ich pausieren muss, schreibe ich Wissenswertes über Holz, das ich schon seit einiger Zeit zusammengetrage, ergänzt, konsolidiert und in eigene Grafiken umgesetzt habe, weil ich ein Gefühl für die Holzeigenschaften per se oder im Vergleich mit anderen Werkstoffen gewinnen wollte.

Zwar habe ich mir nicht immer die Mühe gemacht, die Quellenangaben zu verifizieren, habe aber letztlich immer nur Quellen verwendet, die zu ähnlichen Ergebnissen oder Aussagen kommen und Ausreißer weggelassen.

Meine Verletzung ist schon fast vollständig verheilt (eine Makroaufnahme fände ich immer noch geschmacklos). Wie es aussieht, wird die Narbe kaum zu sehen sein, was ich darauf zurückführe, dass ich die Eisen kurz vor dem Unfall frisch geschärft hatte.

In ein paar Tagen kann ich das Übungsstück vollenden und an meinem Schränkchen weiterarbeiten.

In der Zwischenzeit ist mein Ahornholz in 26 mm Stärke angekommen, so dass ich am nächsten Kursabend bereits ablängen, abrichten und auf Dicke hobeln kann.

Wenn ich Glück habe, sind die Bohlen so breit, dass ich nichts verleimen muss.

Auch Gerd Fritsche hat einen - bei mir Begeisterungsstürme auslösenden - Entwurf meiner Gratsäge erstellt.

Die Säge wird eine spielfreie Tiefeneinstellung mittels Linksgewindeschraube und (je nach dem, was "wilder" wirkt) einen Griff aus Nussbaum oder Bubinga bekommen.

Foto: Ein kleiner Schubladenschrank entsteht