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Das Stecheisen


Der Beitel

 

Englische Bezeichnung Finishing Chisel
Charakteristik

Stecheisen haben grundsätzlich einen Griff aus Holz oder Kunststoff mit einer Zwinge am unteren Griffende und eine Klinge aus gehärtetem Stahl mit Schneide, Krone und Angel. Mit der Angel ist die Klinge im Griff befestigt.

Die Zwinge soll das Aufreißen des Griffs von unten und die Krone der Klinge soll verhindern, dass diese tiefer in den Griff eindringt.

Keine Charakteristik, aber ein gut zu merkendes vergleichendes Merkmal: die Klingen von Stecheisen europäischer Bauform sind meist dünner und länger als die Klingen von Stecheisen japanischer Bauform.

Verwendung spanabtragende Bearbeitung von Holz

Bislang hatte ich für Stecheisen noch keine Verwendung, bzw. ist mir nicht bewusst, dass ich eine gehabt haben könnte.

Für Stecheisen gilt im Grunde, was für Stemmeisen gilt. Der signifikanteste Unterschied zu Stemmeisen besteht meist im Fehlen eines Schlagrings am oberen Griffende, weil Stecheisen nicht mit Klüpfel oder Hammer geschlagen, sondern von Hand gestoßen oder schabend oder schneidend verwendet werden, so dass sie nicht den Belastungen ausgesetzt sind, denen Stemmeisen üblicherweise ausgesetzt sind. Ich habe aber auch schon eine Reihe von Stemmeisen ohne Schlagring gesehen und solche mit Kunststoffgriffen verwenden überhaupt keine Schlagringe, weil das überflüssig wäre. Ich selbst würde mir aus Geschmacksgründen nie Stemm- oder Stecheisen mit Kunststoffgriff kaufen, wenngleich mir der Kunststoffgriff in der Theorie (aber das sage ich nicht laut oder auf Partys) das bessere Material zum "Verprügeln" scheint.

Allgemeines zum Stahl:

Unterschiedliche Qualitäten von Beiteln resultieren hauptsächlich aus dem verwendeten Klingenstahl und dessen Verarbeitungsverfahren.

Grundsätzlich müssen Beitel härtbar und schärfbar sein, was die Verwendung von Stählen mit einem Kohlenstoffanteil zwischen 0,2% und 2,06% notwendig macht. Aus dieser notwendigen Beigabe von Kohlenstoff resultiert der Nachteil, dass der Klingenstahl rostet.

Das gilt im übrigen auch für Klingen aus Schnellarbeitsstahl (HSS, high speed steel), der ebenfalls Kohlenstoff und Zusätze wie Kobalt, Molybdän, Vanadium, Wolfram, usw. enthält. HSS-Stahl besitzt eine vergleichsweise hohe Härte und Verschleißfestigkeit und ist daher aufwendiger zu schärfen als weicherer Kohlenstoffstahl. Andererseits sind Beitel aus HSS-Stahl fast "unkaputtbar".

Klingen aus härterem Stahl bleiben lange scharf und verbiegen sich nicht, brechen aber leichter als Klingen aus weicherem Stahl. Klingen aus weicherem Stahl verlieren schneller ihre Schärfe und verbiegen sich leichter, brechen aber nicht so schnell wie Klingen aus härterem Stahl.

Mittlerweile werden auch Beitel aus "Damaszenerstahl" angeboten. Damaszenerstahl ist ein Schweißverbundstahl. Ein solcher Stahl wird meist aus einem härteren und einem weicheren Stahl durch mehrfaches "Ineinanderfalten" verschweißt, wodurch er sowohl "duktil" (d.h. zäh) als auch hart und damit schärfbar werden soll. Das Schmiedeverfahren führt aber letztlich auch dazu, dass die Schneide der Klinge nicht vollständig aus der härteren Stahlsorte besteht.

Die Vorteile des Einsatzes von Damaszenerstählen liegen eher in Anwendungen für sehr lange Klingen (wie Schwertern), die bei einer gewissen Schärfe besonders zäh sein müssen. Bei Beiteln ist Damaszenerstahl nicht nur, aber eher "schön".

Da man bei Beiteln ohnehin nicht um das Nachschärfen herumkommt und es am meisten auf Schärfe ankommt, verwende ich am liebsten Klingen aus Weißpapierstahl, einem unlegierten Kohlenstoffstahl, der sich - wenn auch oft - schärfer schleifen lässt als jede andere Stahlsorte.

Japanische Beitel werden aus zwei verschiedenen Stahlsorten (die härtere für die Schneide, die weichere als Schneidenträger) schmiedeverschweißt.

Der Spiegel (die flache Seite der Klinge) ist hohl geschliffen. Das erleichert zum einen das Abziehen, zum anderen verringert es die Reibung zwischen Holz und Klinge, so dass diese leichter in das Material eindringt.

Die Dicke der Eisen ist manchmal störend, weil man nicht so gut am Material vorbeikommt und auch das Nachschärfen mit meiner Tormek-Nassschleifmaschine ist etwas "fummeliger" als bei Eisen europäischer Bauform, aber nicht dramatisch.