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Die Ryoba


Die Säge

 

Englische Bezeichnung entfällt, da originäre japanische Form
Charakteristik rückenlos, beidseitig verzahnt (meist auf einer Seite Trapez-, auf der Gegenseite Dreiecksverzahnung), auf Zug arbeitend
Verwendung tiefe und lange Quer- und Längsschnitte

Meine unten abgebildete Ryoba für rund 27 € ist nicht nur hübsch anzuschauen sondern auch robuster als man ihr dem Anschein nach zutraut.

  • Blattlänge: 120 mm
  • Blattdicke: 0,35 mm
  • Schränkung: 0,5 mm
  • Zahnteilung für Querschnitte: 1,0 mm
  • Zahnteilung für Längsschnitte: 2,0 mm

Ryoba

Neu ist die Ryoba von dictum (ca. 31 €) im unteren Bild, die ich mir für (leise) tiefe Längsschnitte zugelegt habe.

  • Blattlänge: 240 mm
  • Blattdicke: 0,45 mm
  • Schränkung: 0,65 mm
  • Zahnteilung für Querschnitte: 1,2 mm
  • Zahnteilung für Längsschnitte: 3,0 mm

Hierzu möchte ich noch erwähnen, dass die Säge für mich so etwas wie einen persönlichen Meilenstein in der Entwicklung darstellt. Die meisten Einsteiger beim Holzwerken gehen wohl mit großem Enthusiasmus und einem perfektionistischen Anspruch an ihr neues Hobby. Allerdings können ihre Fähigkeiten bei Weitem nicht ihrem Anspruch gerecht werden, was sie meist schnell bei reinen Handarbeiten sehen. Für manche mag das so frustrierend sein, dass das neue Hobby schnell in Schönheit stirbt. Diejenigen aber, die fähig sind, den wirklichen Wert eines gerade ausgeführten Sägeschnitts zu erahnen, sind vielleicht unbewusst toleranter gegen sich selbst und können sich auch an einem fehlerhaften ersten Werkstück freuen, weil es ein echtes Dokument ihres Lernens ist.

Mir jedenfalls geht das mittlerweile so. Alle Teile, die man im kleinen Gästebad sehen kann, habe ich fast ausschließlich von Hand bearbeitet und bis zu dieser Sekunde wusste nur ich, dass z.B. das untere Brett der Ablage eine richtig böse Biegung hat und die Enden keinen sauberen, geraden Maschinenschnitt. Dass ich beim Fräsen der Nut im Korpus des Spiegels den Anschlag der Fräse nicht ordentlich festgezogen habe und der Fräser daher ins Holz gelaufen ist, habe ich dokumentiert. Das Gute daran: Die Gelegenheit zu zeigen, wie ich die Stelle ausgebessert habe und es dabei zu lernen. Mehr noch als das, bin ich aber mittlerweile ein bisschen stolz auf die Gesamtlösung, weil ich sie in ihrer Schlichtheit einfach schätze und die Wagenladung voller Fehler (die ich mehr als irgend jemand sonst kenne) liebenswert finde.

Ein bisschen was von dieser Toleranz gegen sich selbst möchte ich jedem Anfänger beim Holzwerken ans Herz legen, ohne dass das ein Plädoyer für Schlampigkeit sein soll. Obwohl ich weit davon entfernt bin, ernsthaft mit Profis mitreden zu können, kann es das perfekte Werkstück schon deshalb nicht geben, weil Holz kein isotroper Werkstoff ist und seine Maße je nach Temperatur und Feuchtigkeit teils erheblich ändert. Daher wird selbst der perfekte Schnitt nie lange perfekt bleiben. Wenn ich Anfängern also eine Empfehlung mit einer Anleihe an Schiller geben darf: Immer strebe zum Perfekten und freu Dich über jeden Fehler als Dokument Deines Strebens. Okay! Genug soap box. Ich bin nicht perfekt; die Säge ist nicht perfekt; meine Schnitte sind nicht perfekt - aber meine Frau freut sich jedesmal, wenn sie das kleine Bad betritt und ich tue das mittlerweile auch.